Als Randbemerkung soll der Vollständigkeit halber noch hinzugefügt werden, daß die Elemente der Meditation und Unterweisung in westlichen Andachtsformen keinesfalls gänzlich fehlen. Der gottesfürchtige orthodoxe Jude glaubt ganz sicherlich, daß die inbrünstige Lektüre der Thora, der jüdischen Religionsgesetze, eine Form, wenn nicht gar die Form der Andacht überhaupt ist. Aus diesem Grund haben die orthodoxen Juden Yeshivas eingerichtet, wo die Thora und der Talmud andächtig gelesen werden. Dabei sind die Yeshivas nicht nur einfach als ein Ort der gewöhnlichen Unterweisung zu verstehen; sie sind gleichfalls ein Ort der Andacht. Analog dazu haben die Moslems Kuttabs und Madrassas eingerichtet, die der andächtigen Lektüre des Koran dienen. Ebenso finden sich innerhalb der römisch-katholischen Kirche zahlreiche Orden, die sich zum Großteil der schweigenden Lektüre und Meditation der heiligen Schriften verschrieben haben; die bekanntesten unter ihnen sind die Zisterzienser und die Trappisten.
Dennoch läßt sich allgemein feststellen, daß im Abendland Meditation, das Studium der heiligen Schriften sowie Unterweisung nicht die zentrale Stellung einnehmen wie im Morgenland. In Indien ist es durchaus nicht ungewöhnlich, wenn eine Person im fortgeschrittenen Lebensalter alles weltliche Hab und Gut verkauft und sich bis ans Lebensende an einen heiligen Ort begibt, zum Beispiel nach Benares (Varanasi) am Ganges, um dort den Rest des Lebens in Mediation über göttliche Dinge zu verbringen und gelegentlich Opferriten (Pujas) abzuhalten. Für einen gewöhnlichen Hindu ist solche Meditation die höchstmögliche Form der Andacht.
Ganz abgesehen von diesen Erörterungen ist es völlig erwiesen, daß Scientology sowohl die ganz typischen Formen der zeremoniellen und feierlichen Andacht aufweist als auch eine ihr eigene Form spiritueller Lebensführung Auditing und Ausbildung. Als Vergleich und Kontrast sei der römisch-katholische Glaube genannt, in dem alle sieben Sakramente als Form der Andacht betrachtet werden. Aus diesem Grund werden die Sakramente vornehmlich in Kirchen von geweihten Geistlichen gespendet. Lediglich unter ganz besonderen Umständen werden Sakramente außerhalb der Kirche gespendet, z. B. bei der Krankensalbung. Zu den sieben Sakramenten zählen Taufe, Firmung, Beichte, Altarssakrament, Ehe, Priesterweihe und letzte Ölung. Das höchste Sakrament der katholischen Kirche ist das Altarssakrament, die Eucharistie, die während der Messe gefeiert wird im Gedenken an den Tod und die Auferstehung Jesus Christi und seine Gegenwart in der Glaubensgemeinde.